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Die Wurzeln der Gemeinschaftsbewegung liegen vor allem

1. in der Reformation, deren zentrale, inhaltliche Anliegen aufgenommen wurden (sola Christus, sola scriptura, sola fide, sola gratia). Daneben wurde der Gedanke des allgemeinen Priestertums der Gläubigen aufgegriffen, wobei die "dritte Form des Gottesdienstes", nach Martin Luther, Einleitung zur Deutschen Messe (1525), besonders zu betonen ist.

2. Im Barockpietismus, zu dem besonders in Württemberg unmittelbare geschichtliche Verbindungen bestehen, weil dort Gemeinschaften aus dieser Zeit existieren, die die Epoche des Rationalismus überdauert haben und direkt in die Gemeinschaftsbewegung eingemündet sind. Stärker noch zeigen sich die Verwurzelungen im Inhaltlichen: So wurden in der Gemeinschaftsbewegung die sog. "collegia pietatis" als kleine Gruppen, die sich außerhalb des Gemeindesgottesdienstes zu Bibellektüre und Gebet treffen, heimisch.

3. In anglo-amerikanischen Einflüssen (Methodismus, Heiligungsbewegung, evange- listischen Aktivitäten).
 

Im Jahre 1888 fand die erste sogenannte Pfingstkonferenz der Gemeinschaftsbewegung in Gnadau statt (daher der Name!), einem Ort mit einer Herrnhuter Siedlung in der Nähe von Magdeburg. Die Impulse zur Durchführung dieses Treffens kamen u.a. von Professor D. Theodor Christlieb, dem Evangelisten Elias Schrenk und von Baron Jasper von Oertzen.

 





Gnadau
Kirchsaal in Gnadau

Reichsgraf Eduard von PücklerNeun Jahre später gab sich die Gemeinschaftsbewegung ihre endgültige Form im "Deutschen Evangelischen Verband für Gemeinschafts- pflege und Evangelisation". Erster Vorsitzender (Präses) wurde Reichsgraf Eduard von Pückler, eine der prägenden Gestalten der ersten Jahrzehnte.
In den Jahren 1907 bis 1910 geriet die junge Gemeinschaftsbewegung durch die aufbrechende Pfingstbewegung in eine ernste Krise, die jedoch unter dem Preis schmerzlicher Trennungen überwunden werden konnte.
 

Bereits in der Anfangszeit des Dritten Reiches lehnte sich Gnadau an die Bekennende Kirche an und setzte sich deutlich von der "Glaubens- bewegung Deutsche Christen" ab.
In der Nachkriegszeit wurde die organisatorische Einheit durch die politischen Umstände zer- brochen. Es bildete sich neben dem "Gnadauer Verband für Gemeinschaftspflege und Evan- gelisation" mit Sitz in Dillenburg im Westbereich das "Evangelisch Kirchliche Gnadauer Ge- meinschaftswerk in der DDR" mit Sitz in Woltersdorf.
Als sich 1989 die Wiedervereinigung abzeichnete, wurden umgehend Schritte eingeleitet, die frühere Einheit wieder herzustellen. Diese wurde im Jahre 1991 vollzogen.